

Nadine, du bist im Familienunternehmen aufgewachsen, mit dem Bobbycar durch die Hallen gefahren und hast Metall gesammelt, bevor du richtig laufen konntest.
War für dich immer klar, dass du einmal ins Unternehmen einsteigen möchtest? Oder gab es auch einen Moment, in dem du gesagt hast: Nein, eigentlich möchte ich lieber etwas anderes machen?
Ich glaube, diese Momente kennt jeder, der in ein Familienunternehmen hineingeboren wird. Spätestens nach dem Studium oder einer Ausbildung stellt man sich irgendwann die Frage: Wie geht mein Weg jetzt weiter? Steige ich direkt ins Familienunternehmen ein oder sammle ich erst einmal extern Erfahrungen?
Genau diese Fragen habe ich mir natürlich auch gestellt. Gleichzeitig habe ich schon immer für Persönlichkeitsentwicklung gebrannt. Ich habe beispielsweise eine NLP-Ausbildung gemacht und bin pferdegestützter Coach, weil ich lange Zeit sehr aktiv im Reitsport war.
Nach meinem Studium habe ich dann zusätzlich die Finanzwelt für mich entdeckt und gemerkt: Auch das ist eine große Leidenschaft von mir. Dadurch kam die Frage natürlich immer wieder auf: Gehe ich ins Familienunternehmen – ja oder nein?
Am Ende habe ich mich bewusst dafür entschieden. Für mich war aber genauso klar, dass ich dort meinen eigenen Fußabdruck hinterlassen möchte. Zu meinem Papa habe ich immer gesagt: „Ich möchte auch mein eigenes Baby haben, mit dem ich der Welt etwas zurückgeben kann.“
Und genau so ist es schließlich gekommen: Heute ergänzen sich mein eigenes Unternehmen und unser Familienunternehmen sehr gut und laufen wunderbar parallel.
Du bist 2009 bei NMD New Materials Development GmbH eingestiegen und hast 2024 die Geschäftsführung übernommen. Was war die erste Entscheidung, bei der du gemerkt hast: Okay, jetzt trage ich doch noch einmal deutlich mehr Verantwortung, nicht mehr nur für meine eigene Arbeit, sondern für das gesamte Unternehmen und für alle Menschen darin?
Ja, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern. Nach der Sommerpause, ungefähr von September bis Anfang Oktober, verhandeln wir immer die Rahmenverträge mit der Industrie für das kommende Jahr.
In den Jahren zuvor hatte das selbstverständlich mein Papa gemacht. Als Geschäftsführer war es seine Aufgabe, diese Verträge beispielsweise mit der Automobilindustrie zu verhandeln.
Und plötzlich lag genau das bei mir. In diesem Moment habe ich gemerkt: Okay, das ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer. Wenn du mit der Industrie über große Summen verhandelst und Verträge für ein komplettes Jahr abschließt, hängt daran unglaublich viel.
Da hängt das eigene Unternehmen dran, da hängen die Existenzen der Mitarbeiter dran und damit natürlich eine enorme Verantwortung.
Das war der Moment, in dem mir wirklich bewusst geworden ist: Jetzt trage ich noch einmal deutlich mehr Verantwortung als früher, als ich, sage ich jetzt mal, „nur“ Prokuristin war.
Ist dein Vater denn heute noch im Unternehmen oder hat er komplett aufgehört, nachdem du die Geschäftsführung übernommen hast?
Mein Papa ist nach wie vor mit im Unternehmen und unterstützt uns weiterhin.
Er betreut vor allem die Kunden, die er teilweise seit knapp 30 Jahren kennt, also eher unseren Altbestand. Da stimmt einfach die Wellenlänge und viele gehören derselben Generation an.
Ich kümmere mich dagegen stärker um das Neugeschäft und die neuen Businesszweige, die sich in den vergangenen Jahren entwickelt haben.
Du hast vorhin schon gesagt, dass du in ganz vielen Bereichen unterwegs bist. Du hast einen MBA, ein Ingenieurstudium, eine Ausbildung zur Finanzanlagenfachfrau und bist zertifizierte Edelmetallfachberaterin – ich muss das alles ablesen, weil es so viel ist.
2023 hast du zusätzlich noch deine eigene Beratungsfirma gegründet. Das ist ja eigentlich ein riesiges Portfolio.
War das von Anfang an strategisch so geplant? Hast du irgendwann gesagt: Genau das möchte ich alles machen und genau diese Qualifikationen möchte ich haben? Oder bist du da Schritt für Schritt hineingewachsen und hast auf deinem Weg immer wieder neue Dinge für dich entdeckt?
Das ist tatsächlich erst unterwegs entstanden, während dieser ganzen Reise.
Ich hatte nie den großen Masterplan, irgendwann Edelmetallfachberaterin zu werden oder zusätzlich eine Ausbildung zur Finanzanlagenfachfrau zu machen.
Das hat sich Stück für Stück entwickelt und war immer wieder mit derselben Frage verbunden: Was möchte ich eigentlich wirklich machen?
Vieles ist also tatsächlich erst beim Gehen entstanden. Und diese Reise ist bis heute nicht abgeschlossen. Auch im nächsten Jahr wird wieder ein neuer Baustein dazukommen, weil dieses Feld einfach unglaublich groß ist und mir sehr viel Freude macht.
Was ist denn dein Plan für nächstes Jahr? Kommt noch ein neuer Titel dazu?
Ein neuer Titel nicht. Aber es kommt noch etwas dazu, von dem ich immer sage: Genau das fehlt bislang noch im Finanzbereich.
Dann machen wir nächstes Jahr auf jeden Fall noch einmal ein Interview und sprechen dann darüber. 😄
Was macht denn dein Angebot beziehungsweise deine Dienstleistungen im Vergleich zu anderen Anbietern so besonders? Und wodurch zeichnet sich deine Beratung rund um Edel- und seltene Technologiemetalle aus?
Ganz klar: meine 18 Jahre Erfahrung im operativen Rohstoffeinkauf. Das ist etwas, das mich auszeichnet und diese Erfahrung kann mir auch niemand nehmen.
Im Familienunternehmen ist das mein Daily Business. Unser Geschäft ist rein auf B2B ausgerichtet, und dort berate ich tagtäglich die Industrie. Dabei arbeiten wir mit sehr unterschiedlichen Branchen zusammen.
Dazu zählen Universitäten und renommierte Forschungsinstitute wie die Fraunhofer-Gesellschaft ebenso wie Unternehmen aus der Automobilindustrie, der Oberflächen- und Beschichtungstechnik, dem 3D-Druck (additive Manufacturing) bis hin zur Lötindustrie. Auch Unternehmen aus dem Verteidigungssektor gehören zu unseren Kunden.
Durch diese Bandbreite habe ich in den vergangenen 18 Jahren sehr tiefe Einblicke in unterschiedlichste Industrien und deren Anforderungen an metallische Rohstoffe erhalten. Dadurch erlebe ich im operativen Geschäft sehr unmittelbar, welche Rohstoffe in der Industrie in Zukunft benötigt werden und wie sich gewisse Anforderungen verändern und genau das macht meine Beratung für Anleger so besonders.
Diese Erfahrung und mein Wissen aus dem operativen Rohstoffeinkauf bringe ich heute auch in meine Arbeit mit Investoren ein, die in physische Rohstoffe investieren wollen.
Der zweite große Unterschied ist für mich die persönliche Betreuung. Ich nehme ganz bewusst nicht jeden Kunden an, weil ich sage: Es muss passen.
Rohstoffe hält man in der Regel als langfristige Anlage. Deshalb ist es mir wichtig, dass die Chemie stimmt, dass man sich sympathisch ist und auch menschlich gut miteinander arbeiten kann.
Genauso wichtig ist mir, niemanden nach dem Investment allein zu lassen. Ich weiß, dass gerade Menschen, die zum ersten Mal in Rohstoffe investieren, häufig noch unsicher sind. Deshalb ist unsere Haltung ganz klar: Mit dem Kauf endet unsere Zusammenarbeit nicht. Wir begleiten unsere Kunden auch darüber hinaus langfristig.
So entstehen sehr persönliche und enge Kundenbeziehungen. Und auch das unterscheidet uns von einem klassischen „Bauchladen“, bei dem gleichzeitig Edelmetalle, Versicherungen, Fonds und viele andere Dinge angeboten werden.
Mein Papa hat schon immer gesagt: „Schuster, bleib bei deinen Leisten.“
Und genau deshalb mache ich ausschließlich Rohstoffinvestments. In anderen Bereichen würde ich gar nicht beraten wollen.
Du hast eben gesagt, dass dein Vater noch Kunden betreut, die schon seit 30 Jahren dabei sind.
Es ist also nicht so, dass jemand einmal etwas bei euch kauft und man sich anschließend nie wieder sieht, sondern vielmehr ein langfristiger Prozess, den man gemeinsam miteinander begleitet?
Genau. Man geht beispielsweise gemeinsam ins Lager, schaut sich die Metalle an und erlebt das Ganze auch einmal ganz real. Und natürlich entwickelt sich ein Metalldepot mit der Zeit weiter, wenn später noch einmal nachinvestiert wird.
Deshalb sind ein enger Austausch und eine enge Zusammenarbeit für uns sehr, sehr wichtig.
Auch darin unterscheiden wir uns. Bei uns heißt es nie: „Hier, du hast jetzt dein Depot. Schau, wie du alleine zurechtkommst.“
Wir setzen ganz bewusst auf Qualität vor Quantität. Deshalb lehne ich auch Anfragen ab, wenn ich merke: Nein, das passt für mich nicht. Oder eben dann, wenn unsere Beratungskapazitäten für einen Monat bereits ausgeschöpft sind.
Du bewegst dich in zwei Welten: in der Rohstoffbranche und in der klassischen Finanzwelt. Und beide Bereiche sind leider nach wie vor nicht besonders stark weiblich vertreten, sondern immer noch sehr männlich geprägt.
Wie hast du dir als Frau in diesem Umfeld deinen Platz gesichert?
Ich bin ehrlich: Einfach war es nicht.
Gerade die ersten Jahre, als ich im Familienbetrieb gestartet bin, waren wirklich hart. Ich stand mehr als einmal heulend da und habe gesagt: „Ich schmeiße hin. Ich mache das nicht mehr.“
Das fing teilweise schon bei Vorträgen an, die ich auf Messen oder Kongressen gehalten habe. Da wurde ich tatsächlich gefragt: „Sind Sie überhaupt berechtigt, hier zu sprechen?“
Das sind Momente, in denen du merkst, wie sehr du als Frau in einer solchen Männerdomäne kämpfen musst. Irgendwann habe ich für mich aber entschieden: Ich lasse mich davon nicht mehr bremsen. Ich mache mein Ding und konzentriere mich nur noch auf die Frage: Was möchte ich?
Am Ende ist es genau dieses Dranbleiben und dieses konsequente Sichtbarbleiben als Frau.
Ich habe mir einfach gesagt: Sollen die Männer doch reden. Ich ziehe mein Ding durch. Und am Ende spricht der Erfolg für mich.
Du hast dich bewusst auf die Beratung von Unternehmerinnen spezialisiert. Ein Grund dafür liegt wahrscheinlich auch in deinen eigenen Erfahrungen.
Außerdem sprichst du sehr offen über Vorurteile rund um Frauen und Geld.
Welche Probleme oder Verhaltensmuster beobachtest du bei deinen Kundinnen beziehungsweise Mandantinnen im Umgang mit Geld besonders häufig?
Ich habe mich unter anderem auf Unternehmerinnen spezialisiert, weil ich ihre Situation wirklich eins zu eins nachempfinden kann. Ich weiß genau, vor welchen Herausforderungen man als Unternehmerin steht.
Was mir dabei immer wieder begegnet: Diese Frauen sind oft unglaublich erfolgreich, aber sie stecken nahezu alles zurück ins Business.
Dabei geraten die eigene Altersvorsorge, der private Vermögensaufbau oder auch die Absicherung der Familie schnell in den Hintergrund, weil wirklich alles in das Wachstum des Unternehmens fließt.
Und grundsätzlich ist das zunächst ja auch richtig. Gerade am Anfang musst du viel in dein Unternehmen investieren, damit das Business überhaupt wachsen und skalieren kann. Entscheidend ist nur, irgendwann diesen Wendepunkt zu erkennen und zu sagen: Okay, das Business läuft jetzt. Aber jetzt bin ich als Unternehmerin auch einmal dran.
Jetzt muss ich dafür sorgen, dass meine eigenen Finanzen stehen, dass ich abgesichert bin und beispielsweise auch für meine spätere Rente vorsorge.
Ich erlebe immer wieder, dass viele Frauen genau diesen Moment im Alltag verpassen. Oder sie kennen das Thema längst und sagen sich trotzdem: „Ja, ich weiß, dass ich das machen muss, aber nächsten Monat.“
Dann kommen Unternehmen, Familie, Alltag und hundert andere Dinge dazwischen. Und plötzlich landet das eigene Finanzthema wieder ganz hinten auf der Liste, weil alles andere scheinbar dringender ist.
Es geht also sehr stark darum, die eigenen Finanzen nicht immer wieder vor sich herzuschieben.
Was ich außerdem häufig in Gesprächen höre: Die Informationsflut im Internet und auf YouTube ist mittlerweile so gewaltig, dass viele Frauen davon eher verunsichert als aufgeklärt werden.
Der eine sagt das, der andere behauptet genau das Gegenteil. Dann werden Hunderte Videos angeschaut und irgendwann sitzen die Frauen vor mir und sagen: „Nadine, ich bin so verunsichert. Bevor ich etwas falsch mache, habe ich lieber gar nichts gemacht.“
Heute stehen uns über die Medien so viele Informationen zur Verfügung, dass viele Menschen kaum noch filtern können: Was davon ist KI? Was davon stimmt wirklich? Wem kann ich vertrauen?
Genau das sind aus meiner Sicht die Probleme – oder, wie ich lieber sage, die Herausforderungen –, vor denen viele Frauen stehen, wenn sie anfangen möchten, in den Rohstoffsektor zu investieren.
Du hast gesagt, dass du auch eine NLP-Ausbildung gemacht hast.
Und wenn du gleichzeitig sagst, dass Frauen sich im Alltag wegen Kindern, Familie und all den anderen Verpflichtungen häufig selbst zurückstellen, dann arbeitest du bei Unternehmerinnen wahrscheinlich auch ein Stück weit an der Persönlichkeitsentwicklung mit, oder?
Ja, genau so ist es.
Ich sage auch immer: Geld ist pure Selbstliebe. Wenn man das einmal wirklich verstanden hat, lässt man seine eigenen Finanzen nicht mehr ganz hinten anstehen.
Du bist von beiden Seiten umgeben: Du arbeitest mit männlichen Unternehmern und mit weiblichen Unternehmerinnen.
Was können diese beiden Gruppen voneinander lernen, wenn es um Risiko, Vermögensaufbau und finanzielle Entscheidungen geht? Wo liegen die Unterschiede und was können sich beide Seiten voneinander abschauen?
Was Frauen sich meiner Erfahrung nach manchmal von Männern abschauen können, ist eine gewisse Entschlossenheit bei finanziellen Entscheidungen.
Viele Frauen informieren sich sehr gründlich, wägen lange ab und möchten ihre Entscheidung von mehreren Seiten absichern. Das ist grundsätzlich eine Stärke. Irgendwann kann aus sorgfältigem Abwägen aber auch Aufschieben werden.
Männer erlebe ich in Gesprächen häufig entscheidungsfreudiger und pragmatischer in der Umsetzung.
Umgekehrt können Männer von Frauen lernen, bestimmte Entwicklungen auch einmal auszuhalten. Das sehe ich besonders deutlich, wenn ich männliche und weibliche Kundendepots miteinander vergleiche.
Männer sind häufig deutlich aktiver und haben schneller das Gefühl, etwas verändern zu müssen.
Frauen erlebe ich dagegen häufiger geduldiger und gelassener. Von dieser Ruhe können sich Männer meiner Meinung nach durchaus etwas abschauen.
Mit der „Nacht der Metalle®“ hast du ein ganz eigenes Eventformat geschaffen. Was ermöglicht dir dieses Event, das du beispielsweise über Social Media, klassische Werbung oder Vertrieb so gar nicht erreichen könntest?
Die „Nacht der Metalle®“ ist eigentlich dadurch entstanden, dass ich bei solchen Dingen immer ein Stück weit von mir selbst ausgehe und mich frage: Was würde ich mir persönlich wünschen?
Ich mag weder trockene, staubige Seminarräume, in denen man vorne mit PowerPoint-Folien zugeballert wird, noch diese typische Art, Finanzthemen zu vermitteln. Denn Finanzen können ohnehin schnell trocken oder langweilig wirken.
Mit der „Nacht der Metalle®“ wollte ich deshalb ganz bewusst einen lebendigen Ort schaffen, an dem der Austausch im Mittelpunkt steht.
Einen Ort für Gespräche auf Augenhöhe. Für Gleichgesinnte, die sagen: Ich möchte mein Vermögen weiter aufbauen und gelassener im Umgang mit meinem Geld werden.
Das Finanzielle sollte dabei nicht schwer oder theoretisch wirken, sondern spielerisch integriert werden. Das machen wir beispielsweise auch sehr gerne bei uns im Betrieb.
Wir haben einige Metalle hier vor Ort und geben sie durch die Reihen. Anschließend beschäftigen wir uns gemeinsam mit der Frage: Wo begegnen mir diese Metalle eigentlich überall in meinem Alltag?
Und dann kommt häufig plötzlich dieser Aha-Moment: Klar, in meinem Smartphone steckt das auch. Oder in meiner Uhr. Oder in meinem Tablet.
Genau das ist für mich gelebte Praxis, die die Menschen begeistert.
Dazu kommen Catering und ein Sektempfang, sodass insgesamt eine sehr angenehme und besondere Atmosphäre entsteht.
Wir haben die Veranstaltung ganz bewusst auf maximal 15 Teilnehmer begrenzt. Nur so können wir genau diese Atmosphäre gewährleisten und gleichzeitig einen echten, persönlichen Austausch unter Gleichgesinnten ermöglichen.
Das machst du einmal im Jahr?
Eigentlich war es ursprünglich einmal im Jahr geplant.
Mittlerweile ist die Nachfrage aber so groß, dass wir davon ein Stück weit abgekommen sind. Das letzte Event ist wieder eingeschlagen wie eine Bombe. Deshalb haben wir für den 13. November 2026 noch einen zusätzlichen Sondertermin angesetzt, weil die Ticketnachfrage einfach so groß war.
Außerdem habe ich beschlossen, dass die „Nacht der Metalle®“ im nächsten Jahr auf Reisen gehen wird.
Wir werden also ein Stück weit europäischer. Wir bleiben nicht mehr ausschließlich auf deutschem Boden, sondern gehen bewusst in andere Länder, mit neuen Event-Locations, anderen Gegebenheiten und jedes Mal einer etwas anderen Atmosphäre.
Klingt fantastisch. Und wie man sieht, ist das Event auch sehr begehrt.
Ja, genau. Und ein weiterer Punkt ist natürlich, dass die Menschen uns dort wirklich live mit den Metallen erleben.
Das heißt: Die Menschen bekommen einen unmittelbaren Einblick in unseren Alltag als Rohstoffeinkäufer und erleben hautnah, womit wir uns tagtäglich beschäftigen.
Du warst innerhalb kurzer Zeit in der Bild, in Capital, Cash und der Wirtschaftswoche.
Du hast also nicht nur ein breites Portfolio an Themen, sondern warst auch in sehr unterschiedlichen Zeitungen und Medien vertreten.
Was würdest du Gründerinnen und Gründern raten, die mit ihrem eigenen Thema in der Presse sichtbar werden möchten? Du scheinst da ja einiges richtig zu machen.
Auf jeden Fall bei der Sichtbarkeit dranbleiben. Ich sage immer: „Consistency is the key.“ Also konstant dafür sorgen, dass man sichtbar bleibt.
Ich habe es am Anfang genauso gemacht. Überall, wo ich war, habe ich erzählt, was ich mache. Und dabei war mir völlig egal, ob jemand meine Geschichte vielleicht schon einmal gehört hatte oder nicht. Ich habe sie einfach immer wieder erzählt.
Ich war sehr aktiv auf LinkedIn und habe dort mittlerweile mehrere Tausend Follower. Ich habe zwei- bis dreimal pro Woche gepostet, bin live gegangen und habe parallel aktiv Blogbeiträge auf meiner Website veröffentlicht.
Am Ende geht es wirklich darum, rauszugehen, sein Thema publik zu machen und dafür zu sorgen, dass man wahrgenommen wird.
Und natürlich gehört auch dazu, auf größeren Veranstaltungen wie Konferenzen oder dem Founder Summit immer wieder auf die Bühne zu gehen. Denn nur so können die Menschen einen überhaupt entdecken.
Gerade auf solchen Events sind häufig auch viele Redakteure und Journalisten unterwegs. Und im besten Fall stehen die dann irgendwann bei dir am Messestand und fragen: „Bist du bereit für ein Interview bei uns in der Cash oder in der Capital?“
Du beschäftigst dich tagtäglich mit Vermögenswerten und finanzieller Absicherung. Welchen grundlegenden Fehler machen junge Unternehmer bei diesem Thema?
Gerade bei jungen Unternehmern fließt zu Beginn häufig nahezu das gesamte Geld zurück ins Unternehmen. Dabei wird allerdings schnell vergessen, den entscheidenden Wendepunkt zu erkennen.
Also den Moment, an dem das Unternehmen gewachsen ist, vielleicht bereits ein größerer Cashbestand vorhanden ist und man anfangen sollte, sich auch Gedanken über die eigene private Absicherung zu machen.
Ich erlebe bei sehr vielen jungen Unternehmern und Gründern, dass der Fokus so stark auf dem eigenen Business liegt, dass Vermögensschutz und Vermögensaufbau für den Unternehmer selbst auf der Strecke bleiben.
Dann kommt das Tagesgeschäft dazwischen, ein Mitarbeiter braucht etwas, das nächste Projekt steht an und schon wird das Thema wieder nach hinten geschoben.
Deshalb ist es wirklich wichtig, diesen Zeitpunkt nicht zu verpassen und die eigene Absicherung nicht immer weiter hinauszuzögern.
Eine letzte Abschlussfrage. Vervollständige bitte den Satz:
Unternehmertum bedeutet für mich nicht Freiheit, sondern …
Die schönste Reise zu sich selbst.
Denn auf dem Weg des Unternehmertums lernst du dich selbst immer besser kennen. Du erkennst, wo deine Schwachstellen liegen und an welchen Punkten du noch an dir arbeiten musst.
Du lernst, andere Menschen zu führen und gleichzeitig auch dich selbst.
Du beschäftigst dich mit Zeitmanagement, du lernst Finanzen kennen und stößt auf unzählige Themen, die dich nicht nur als Unternehmer, sondern vor allem als Mensch weiterentwickeln.
Im Prinzip ist alles dabei. Und genau deshalb sage ich immer:
Unternehmertum ist die schönste Reise zu sich selbst.
Ein Satz, der wahrscheinlich kaum besser zusammenfassen könnte, was Unternehmertum bedeutet. Und dein eigener Weg zeigt ziemlich eindrucksvoll, was entstehen kann, wenn man sich auch in einem Umfeld, in dem einem anfangs nicht jeder den Platz zugesteht, davon nicht abbringen lässt.
Nadine, vielen Dank für das offene Gespräch. Ich bin gespannt, welche Kapitel auf deiner „schönsten Reise zu dir selbst“ als Nächstes noch dazukommen.
Vielen Dank! Da kommt auf jeden Fall noch einiges. 😄