„Ich stehe morgens auf, tue, was getan werden muss und gehe abends wieder ins Bett.“

Hermann Scherer über die Realität des Unternehmertums – und was wirklich zum Erfolg führt

Entrepreneur University

3.500 Vorträge vor rund 2 Millionen Menschen in über 3.000 Unternehmen in mehr als 30 Ländern, 71 Bücher in 21 Sprachen, über 1.000 Presseveröffentlichungen, 100 Millionen Euro Umsatz, Forschung und Lehre an 18 europäischen Universitäten sowie über 30 erfolgreiche Firmengründungen – das ist Hermann Scherer. Doch wie würdest du dich selbst jemandem beschreiben, der dich nicht kennt?

Hermann Scherer

Ich mache Menschen zur Marke, damit ihre Qualität und Botschaft sichtbar werden, gesehen, wahrgenommen und gekauft. Kurz: Personal Branding.
In einer Zeit, in der Qualität und Kompetenz vorausgesetzt werden, geht es darum, diese so zu inszenieren, dass Menschen Relevanz zum Produktnutzen und Vertrauen zu den Dienstleistern aufbauen

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Stell dir vor, du müsstest all deine Projekte, Bücher und Unternehmen ab morgen aufgeben – welche einzige Bühne würdest du als „neues Spielfeld“ wählen, um weiterhin Wirkung zu erzeugen, und warum?

Hermann Scherer

Ich würde, das mag ungewöhnlich klingen, als religions- und kirchenunabhängiger Prediger durch die Lande ziehen.Personal Branding setzt voraus, dass Menschen an sich und ihre Botschaft glauben. Genau das fehlt vielen. Die wenigsten scheitern am Markt oder an den Umständen. Die Allermeisten scheitern an sich selbst, an Zweifeln.

Die Erinnerung an unsere Schöpferkraft und an etwas Größeres kann dabei helfen. Der Glaube an etwas, das größer ist als wir selbst – und sei es die eigene Vision – hilft, Täler zu überwinden, Ziele zu erreichen und Träume Realität werden zu lassen.

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Welches deiner über 30 gegründeten Unternehmen würdest du mit deinem heutigen Wissen bewusst nicht mehr gründen – und was sagt das über deine Entwicklung als Unternehmer aus?

Hermann Scherer

Da alle Unternehmen mindestens ihren Zweck erfüllt haben und viele davon sogar Marktführer wurden, würde ich jedes einzelne wieder gründen.

Zugegeben: 30 Unternehmen bedeuten enormen Fokus- und Energieeinsatz. Doch die meisten waren logische Schritte aufeinander aufbauend.

Betriebswirtschaftlich gibt es keine Probleme, nur Potenziale. Jedes Problem ist die Grundlage für ein neues Produkt, eine Dienstleistung oder ein Unternehmen. Wer mit offenen Augen durch Deutschland geht, sieht Millionen ungelöster Probleme und damit ebenso viele unternehmerische Chancen.

Ich nenne das den Blick eines „Problemtrüffelschweins“.

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Wenn du einem 18-jährigen Gründertalent nur eine Verbotsregel mitgeben dürftest: Was dürfte diese Person auf ihrem Weg zum unternehmerischen „GOAT“ niemals tun?

Hermann Scherer

Den Fokus verlieren.
Viele Gründer scheitern, weil sie ihren Fokus falsch setzen oder gar keinen haben. Oder im Gegenteil: zu viele gleichzeitig.

Fokus ist ein Wort, das eigentlich nur im Singular existieren sollte. Der Plural ist übrigens Fokusse. 

Und noch etwas: Ein junger GOAT sollte nicht starten, ohne frühzeitig in eine eigene Immobilie zu investieren.

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Welche Wahrheit über Erfolg in der Selbstständigkeit verschweigst du bewusst auf großen Bühnen, weil sie in einem Saal mit 1.000 Menschen zu unbequem wäre?

Hermann Scherer

Ich verschweige nichts, aber vieles wird nicht gehört. Menschen haben eine selektive Wahrnehmung, visuell wie auditiv. Sie hören oft nur das, was sie hören wollen.

Eine Wahrheit, die selten wirklich ankommt: Erfolg hat wenig mit Glück oder äußeren Umständen zu tun. Ich bin überzeugt: Jeder kann erfolgreich werden, wenn er fokussiert handelt, nicht zögert, nicht zweifelt und ohne Perfektionismus schnell umsetzt.

Oder wie Reid Hoffman sagte:
„If you’re not embarrassed by the first version of your product, you’ve launched too late.“

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 Du hast mit vielen außergewöhnlichen Persönlichkeiten gearbeitet: Welche scheinbar „unprofessionelle“ Eigenart ist dir bei Spitzenunternehmern so häufig begegnet, dass du sie heute als Erfolgssignal wertest?

Hermann Scherer

Profis setzen klare Prioritäten. Immer.
Und diese sind erstaunlich simpel:

  1. Umsatz 
  2. Der Rest

Unternehmen, die so arbeiten, sind schneller, agiler und wirkungsvoller. Daraus entsteht ein Prinzip: „Verkauf vor Planung“. Viele erfolgreiche Unternehmen verkaufen Produkte oder Dienstleistungen, bevor diese vollständig ausgearbeitet sind.

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Wenn man deinen Arbeitsalltag einen Tag lang aus der Vogelperspektive beobachten würde: Welche Szene würde das Publikum überraschen?

Hermann Scherer

Meine Oma sagte: „Ich stehe morgens auf, tue, was getan werden muss und gehe abends wieder ins Bett.“ Dieser Satz beschreibt meinen Alltag ziemlich genau.

Unternehmertum wird oft romantisiert – als Matcha-Latte-Meetings und strategische Gespräche. Die Realität ist deutlich nüchterner, strukturierter und weniger glamourös.

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Stell dir vor, die Entrepreneur University würde in 20 Jahren ein Modul „Hermann-Scherer-DNA“ anbieten: Welche provokante Prüfungsfrage müsste jede:r bestehen – und wie lautet deine Musterlösung?

Hermann Scherer

Ich würde keine klassische Prüfungsfrage stellen. Das heutige Bildungssystem bewertet oft nur reproduziertes Wissen, nicht echtes Verstehen.

Meine Prüfung wäre: Gründe ein Unternehmen und erziele erste Umsätze. Nicht die Höhe zählt – sondern das Prinzip. Die ersten 10 Euro Umsatz können mental mehr bewirken als die erste Million.

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Zum Schluss: Beim Founder Summit 2026 stehst du auf der Mainstage. Welche Impulse möchtest du dem Publikum mitgeben – und was macht dieses Event für dich besonders?

Hermann Scherer

The Founder Summit ist das größte Event dieser Art in Europa. Nirgendwo entstehen mehr Kontakte, Chancen und Erfolgsgeschichten.

Auf der Bühne werde ich zeigen, wie Menschen ihre Qualität sichtbar machen und die Bühnen dieser Welt erobern. Denn das ganze Leben ist eine Bühne – und sie gehört denen, die den Mut haben, sie zu betreten.