

Thomas, du bist 22 Jahre alt. Das ist noch sehr jung, gerade wenn man bedenkt, dass du bereits eine eigene Marketingagentur hast und nun ein Coaching-Business rund um Bewusstsein und inneren Frieden startest. Wie reagieren die Menschen, wenn du ihnen erzählst, was du machst?
Das kommt auf das Alter an. Ältere Menschen verstehen häufig gar nicht, was ich überhaupt mache. Meine Großeltern haben bis heute Schwierigkeiten damit. Schon die Marketingagentur war für sie schwer zu verstehen. Beim Coaching-Business ist es noch schwerer. „Wie, du verkaufst digitale Seminare? Was genau ist das?“ Dann versuche ich es so zu erklären: Stellt euch einen Therapeuten vor, der mit Menschen spricht.
So ähnlich ist es im Grunde.
Bei jüngeren Menschen habe ich in letzter Zeit häufig die Rückfrage bekommen, wie ich überhaupt darauf gekommen bin. Es ist vielleicht kein Unglaube, doch die Leute fragen sich natürlich schon, warum ich hier sitze und vor der Kamera etwas über inneren Frieden erzähle, während andere in meinem Alter feiern gehen. Ich glaube, die Reaktion hängt sehr stark von der jeweiligen Altersgruppe ab.
Du sprichst über inneren Frieden und Bewusstsein. Das sind Themen, die man eher bei Menschen ab 40 oder 50 erwartet oder bei jemandem, der bereits eine Lebenskrise hinter sich hat. Wie bist du zu diesem Thema gekommen? Wie sah dein Weg dorthin aus?
Meine Reise begann, als ich ungefähr acht Jahre alt war. Ich bin in einer christlich-orthodoxen Familie aufgewachsen und habe dadurch zunächst eine Beziehung zu etwas Höherem kennengelernt, in Form des christlichen Gottes.
Aus irgendeinem Grund begann ich schon damals, eine starke Verbindung nach innen zu suchen. Ich kann bis heute nicht genau beschreiben, warum. Anstatt nach außen zu streben, wie viele andere Kinder, habe ich versucht, im Inneren Vertrauen zu finden.
Ich erinnere mich an eine konkrete Situation, als ich mit einem langjährigen Freund unterwegs war. Wir waren ungefähr 11 Jahre alt und streunten abends um eine Kirche herum. Irgendwann wurde es dunkel und er bekam Angst und wollte nach Hause gehen. Ich saß dort und antwortete: „Ich habe keine Angst, weil Gott bei mir ist.“
Im Grunde ist das nur ein anderer Ausdruck für: Ich habe meinen Frieden gefunden und vertraue darauf, dass mir nichts passieren kann.
Danach bin ich sehr tief in diese spirituelle Religiosität eingetaucht. Die Bibel hatte ich damals nie gelesen. Mir ging es vielmehr um die direkte Verbindung. Ich betrachte das Göttliche nicht als etwas Äußeres, sondern als etwas, das tief in uns selbst liegt.
Während meiner Jugend habe ich diese Verbindung jedoch verloren. Dadurch durfte ich auch die Nachteile davon erleben, denn ohne die Verbindung zu sich selbst oder zu einem tieferen Bereich
verliert man seinen Frieden.
Vor allem in meiner ersten Beziehung, eine sehr toxische, habe ich stark gelitten und die
Verbindung zu mir selbst vollständig verloren. Erst nach dieser Beziehung habe ich Stück für Stück wieder zu mir gefunden und begonnen, mich neu aufzubauen.
Damals kam zum ersten Mal der Gedanke auf: Lies doch einmal die Bibel. Dabei habe ich gemerkt, dass das, was im Christentum steht, nicht vollständig dem entspricht, wofür ich stehe. Trotzdem spürte ich weiterhin eine bestimmte Verbindung.
So begann ich, mich stärker mit östlichen Traditionen zu beschäftigen und verschiedene Texte dazu zu lesen. Irgendwann verstand ich: Ah, so funktioniert innerer Frieden. Ich setzte diese Erkenntnisse selbst in die Praxis um und begann, auf YouTube darüber zu sprechen.
Hattest du einen Mentor? Hast du Bücher zu diesem Thema gelesen oder Seminare besucht?
Ich habe das große Glück, dass meine Eltern Unternehmer sind und waren. Dadurch bin ich schon sehr früh in einer entsprechenden Bubble aufgewachsen und zu Seminaren zur Persönlichkeitsentwicklung mitgenommen worden.
Ich glaube, mit 13 war ich zum ersten Mal bei den Power Days von Jürgen Höller. Das war vermutlich mein allererstes Seminar. Danach waren wir bei Bodo Schäfer, Stefan Frädrich, Greator und vielen weiteren Veranstaltungen.
Das war nicht rein spirituell, sondern sehr stark auf Persönlichkeitsentwicklung ausgerichtet. Trotzdem bekommt man dort bereits die Erkenntnis vermittelt: Ich kann etwas an mir und an meinem inneren Zustand verändern. Das waren die wichtigsten Impulse.
Darüber hinaus kam ein großer Teil durch Bücher. Ich habe viele Bücher gelesen und YouTube- Videos verschiedener Meister angesehen. Der Rest entstand durch Selbsterkenntnis: indem ich die eigene Verbindung gesucht und darüber Antworten erhalten habe.
Hast du einen Buchtipp?
„Jetzt!“ von Eckhart Tolle. Mir gefällt die Einfachheit dieses Buches besonders gut.
Ich neige dazu, Dinge sehr rational auseinanderzunehmen und daraus Konzepte zu entwickeln. Deshalb hat mir Eckhart Tolle auf dem Weg zum inneren Frieden so gut gefallen, da er alles immer
wieder auf den Kern herunterbricht.
Er schafft es, jede psychologische, philosophische oder religiöse Frage auf einfache Weise dorthin zurückzuführen und zu erklären: All das löst sich auf, wenn du im Hier und Jetzt bist – und zwar aus diesem oder jenem Grund.
Dann versteht man: Ich muss nicht alles zehntausendmal durchdenken. Ich muss lediglich diese eine Sache praktizieren. Daraus ergibt sich alles Weitere.
Du bist in einer Unternehmer-Bubble aufgewachsen. Bewusstsein, die innere Quelle und innerer Frieden sind allerdings nicht unbedingt die Themen, mit denen Unternehmer oft in Berührung
kommen.
Wie würdest du einem gestressten Unternehmer in zwei Minuten erklären, worum es dir wirklich geht und was du konkret machst?
Es gibt drei Ebenen, auf denen man arbeiten kann, drei Zeitebenen: Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart.
Am Ende des Tages geht es immer um die Gegenwart, also darum, in sie zurückzukehren. Die Vergangenheit ist bereits geschehen und kann nicht mehr verändert werden. Die Zukunft wird irgendwann ebenfalls als Gegenwart eintreten. Im Grunde geht es deshalb ausschließlich darum,
in der Gegenwart zu leben. Dann ist alles andere automatisch mit abgedeckt.
Trotzdem ist der Mensch sehr stark durch seine Vergangenheit geprägt. Was ich tue, ist deshalb, dort anzusetzen – beziehungsweise in der Gegenwart zu beobachten, welche Muster bei einem Menschen hochkommen und wie er wieder in den inneren Frieden zurückfinden kann.
Ich stelle das häufig mithilfe einer leuchtenden Kugel dar, die sich im Inneren eines Menschen befindet. Diese Kugel steht für das pure Bewusstsein, das hell, friedlich und voller Liebe ist.
Darüber liegt allerdings häufig eine undurchsichtige Schicht. Die Kugel ist gewissermaßen verkalkt, sodass das Licht nicht mehr richtig scheinen kann. Um wieder an diesen inneren Kern zu gelangen, muss diese Kalkschicht entfernt werden.
Sie ist meistens durch Erfahrungen aus der Vergangenheit entstanden. Bestimmte Dinge wurden
nicht verarbeitet oder gereinigt und dadurch hat sich diese Schicht gebildet.
Wenn ich bei einem Menschen herausgefunden habe, woher sein Stress, seine Mangelgedanken oder andere Themen kommen, die ihn aus seinem Frieden herausziehen, lösen wir genau diese Themen aus der Vergangenheit auf. Gleichzeitig geht es während des gesamten Prozesses darum, immer wieder in die Gegenwart zurückzukehren.
Der Weg in die Gegenwart besteht nämlich auch darin, die Fesseln zu lösen, die einen noch an Erlebnisse von vor zehn Jahren, von gestern oder sogar von vor einer Stunde binden.
Diese Fesseln ziehen einen in die Vergangenheit. Gedanken an die Zukunft ziehen einen wiederum in die andere Richtung. Dazu gehören Zukunftsängste wie: Wird mein Unternehmen das gewünschte Wachstum erreichen? Werde ich aus den roten Zahlen herauskommen?
Diese Ketten ziehen einen permanent nach links und rechts. Man muss sie durchtrennen, um wieder ins Hier und Jetzt zurückzukehren. Das wäre der Prozess beziehungsweise der Startpunkt.
Du bist noch relativ neu in der Coaching-Branche. Was ist dein Vorteil gegenüber älteren oder bereits etablierten Coaches?
Ich versuche, dem Menschen vor mir nichts Neues hinzuzufügen, sondern ihm dabei zu helfen, seine eigene Vollkommenheit zu erkennen. Das ist für mich der erste wesentliche Unterschied zu vielen Ansätzen in der klassischen Persönlichkeitsentwicklung und der Coaching-Branche.
Je nachdem, um welchen Bereich es geht, liegt der Fokus häufig sehr stark auf dem äußeren Erfolg. Man versucht zunächst, etwas im Außen zu verändern, um dadurch im Inneren einen bestimmten
Zustand zu erreichen.
Aus meiner Sicht ist diese Reihenfolge jedoch falsch herum. Im 1:1-Coaching lässt sich das auch individueller und gezielter begleiten. Das ist sicherlich ein weiterer Vorteil, den ich als Newcomer habe: Ich kann noch sehr intensiv und persönlich mit einzelnen Menschen arbeiten.
Anders habe ich das zum Beispiel bei einem Event von Tony Robbins erlebt. Das waren vier Tage mit sehr viel Theorie, einer starken Energie und zahlreichen Impulsen. Auch wenn es nicht ganz meinem persönlichen Stil entspricht, sich alle paar Minuten stark zu pushen, fand ich die Veranstaltung grundsätzlich sehr spannend.
Was ich dort aber bemerkt habe, ist, dass das gesamte Konzept sehr komplex ist. Man erhält innerhalb weniger Tage unglaublich viele Inhalte und hat am Ende ein ganzes Buch voller Aufgaben und Erkenntnisse, die man anschließend selbst durcharbeiten muss. Man wird danach mit all dem Input ein bisschen alleine gelassen.
Der dritte und für mich deutlich wichtigere Punkt betrifft die Arbeit an Werten, Glaubenssätzen und dem eigenen Selbstbild. Bei vielen Coaching-Ansätzen versucht man auch hier, diese Dinge von außen nach innen zu entwickeln.
Man fragt sich zum Beispiel: Was möchte ich in meinem Leben erreichen? Die Antwort könnte lauten: Ich möchte eine Million Euro verdienen. Anschließend fragt man: Welche Eigenschaft brauche ich dafür? Vielleicht lautet die Antwort: Disziplin.
Das klingt, als ob du aus eigener Erfahrung sprichst.
Genau, das ist mir selbst passiert. Ich habe mir gesagt: Wenn ich erfolgreich sein möchte, muss Disziplin mein höchster Wert sein. Also versuchte ich, mein gesamtes Leben konsequent nach diesem Wert auszurichten.
Dabei habe ich mir jedoch eine neue Maske aufgesetzt und die Verbindung zu mir selbst wieder ein Stück weit verloren.
Statt herauszufinden, welche Werte bereits in mir vorhanden sind, habe ich versucht, mir von außen einen Wert überzustülpen, von dem ich glaubte, dass ich ihn für meinen Erfolg benötige.
Und da hast du gemerkt, dass du einen anderen Weg einschlagen musst?
Der sinnvollere Weg besteht für mich darin, von innen nach außen zu arbeiten und zunächst freizulegen, was bereits da ist.
Dabei habe ich zum Beispiel erkannt, dass Freiheit für mich an erster Stelle steht. Freiheit kann sich auf den ersten Blick mit Disziplin beißen. Trotzdem kann ich mein Business und mein Unternehmertum auf Freiheit aufbauen, indem ich Systeme schaffe, durch die ich mich nicht permanent disziplinieren und zwingen muss. Stattdessen können die Dinge aus einem Gefühl von Freiheit heraus entstehen.
Durch neue Wertesysteme, Glaubenssätze, Affrmationen und ähnliche Methoden werden häufig weitere Masken aufgebaut. Mir geht es dagegen um die Erkenntnis, dass diese zusätzlichen Schichten gar nicht notwendig sind, weil der Mensch bereits vollkommen ist, so wie er ist.
Alles Weitere kann sich aus dieser Erkenntnis heraus entwickeln. Denn jede nachhaltige Wirkung entsteht von innen nach außen, sowohl unsere Handlungen als auch unsere Erfolge und die Ziele,
die wir erreichen möchten.
Ich glaube deshalb, dass viele Coaching-Ansätze in der falschen Reihenfolge angewendet werden. Oder zumindest versuchen viele Menschen, die Strategien der Coaches in der falschen
Reihenfolge in ihr Leben zu integrieren.
Trotzdem respektiere ich die Arbeit anderer Coaches und glaube, dass viele von ihnen mit ihrer Arbeit einen sehr wertvollen Beitrag leisten.
Du arbeitest an der Schnittstelle zwischen Psychologie und östlichen Traditionen. Du hast bereits gesagt, dass dich östliche Traditionen stark inspiriert haben.
Was bedeutet das konkret? Was machst du in deinen Guidings und deinem Mentoring anders als klassische Coachings?
Meistens begegnet man nur einem der beiden Aspekte.
Zum Beispiel sitzt jemand vor dir und arbeitet deine gesamte Vergangenheit mit dir auf. Danach fühlst du dich zwar befreit und gehst wieder ins Leben, bist aber noch immer nicht vollständig präsent und nicht wirklich bei Bewusstsein.
Ich erkläre das häufig mit einem Gericht, das nicht so ganz vollständig ist, vielleicht „auseinandergefallen“.
Stell dir vor, du hast ein Gericht noch nie gesalzen, nie gewürzt und nie mit Kräutern gegessen. Du kennst es ausschließlich pur. Weil du aber noch nie ein anderes Gericht gegessen hast, glaubst du, dass dies bereits das vollständige Geschmackserlebnis ist.
Mit einem Coach aus der Persönlichkeitsentwicklung, einem Psychologie-Coach oder einem ähnlichen Begleiter kannst du deine Themen aufarbeiten. Danach gehst du wieder ins Leben. Dein Gericht ist nicht mehr auseinandergefallen, sondern wieder zusammengesetzt. Trotzdem schmeckt es noch nicht so, wie es eigentlich schmecken könnte. Du glaubst allerdings, dass dieser Geschmack bereits vollständig ist.
Auf der anderen Seite gibt es spirituelle Coaches, die dir dabei helfen, ins Hier und Jetzt zurückzukehren und alles intensiver wahrzunehmen. Dadurch kommen die Kräuter, die Gewürze und weitere Geschmackselemente in das Gericht.
Das Gericht selbst ist allerdings noch immer auseinandergefallen und nicht vollständig „repariert“.
Die Verbindung dieser beiden Welten ist deshalb der Kern meiner Arbeit. Es geht darum, das Gericht wieder ganz zu machen, die Risse zu schließen und gleichzeitig zu zeigen, dass Gewürze und Kräuter hinzukommen können.
Wenn du deine Vergangenheit heilen und loslassen kannst, gehst du anschließend in die Welt und bemerkst: Das Leben ist 30 Prozent intensiver, als ich bisher dachte.
Ein Jahr später denkst du vielleicht: Es ist noch einmal 30 Prozent intensiver als im vergangenen Jahr. Das liegt daran, dass du immer weiter daran arbeitest, bewusster zu werden und mehr wahrzunehmen
Viele Unternehmer kennen Gedankenkarusselle, Stress, das Gefühl, nie genug zu sein, und das Gefühl, nicht bei sich selbst zu sein.
Warum stecken so viele Menschen in diesen Mustern fest, obwohl sie eigentlich wissen, wie schädlich sie sind?
Man erfindet das Rad nicht neu. Die Menschen wissen häufig, was sie eigentlich tun müssten. Trotzdem funktioniert es nicht.
Der Grund ist, dass sie zwar wissen, dass sie ihren inneren Zustand verändern sollten, die Ursachen dafür aber weiterhin im Außen suchen.
Ein Unternehmer sagt zum Beispiel: Ich möchte inneren Frieden erlangen. Damit ich inneren Frieden haben kann, brauche ich allerdings zuerst finanzielle Stabilität.
Genau das ist der Fehler.
Er sucht im Außen nach einem bestimmten Umsatzziel, um dadurch inneren Frieden zu erreichen. Eigentlich müsste er zuerst den inneren Frieden finden. Aus diesem Zustand heraus kann er seine äußeren Ziele genauso gut oder sogar schneller erreichen.
Nehmen wir als Beispiel einen Unternehmer, dessen Ziel eine Million Euro Jahresumsatz ist. Er strebt diese Million an, um sich anschließend reich oder finanziell stabil zu fühlen und dadurch inneren Frieden zu erlangen.
Dadurch betrachtet er das Problem ausschließlich auf einer weltlichen Ebene und aus einem Mangel heraus. Er versucht, bestimmte Systeme und Strategien anzuwenden, die möglicherweise gar nicht zu ihm passen.
Dann arbeitet er sich mit Disziplin für dieses Ziel beinahe kaputt und sein innerer Frieden verschwindet immer weiter.
Selbst wenn er das Ziel erreicht und eine Million Euro im Jahr verdient, hat er seinen inneren Zustand nicht verändert. Er nimmt sich selbst mit in diese Zukunft.
Dann sitzt er dort mit einer Million Euro und stellt fest: Ich habe immer noch keinen inneren Frieden.
Anschließend denkt er vielleicht: Das liegt vermutlich daran, dass die Märkte schwieriger geworden sind. Eine Million reicht heute eigentlich gar nicht mehr aus, um sich wirklich sicher zu fühlen. Außerdem habe ich inzwischen nicht mehr sechs, sondern zwölf Mitarbeiter. Ich brauche also noch einen größeren finanziellen Puffer.
Dann glaubt er: Bei zwei Millionen Euro werde ich endlich inneren Frieden haben.
Und er glaubt das tatsächlich. Und es geht immer so weiter.
Wenn du stattdessen von Anfang an versuchst, innere Fülle zu entwickeln, verändert das auch dein Selbstbild als Unternehmer.
Wenn du inneren Frieden findest und den Mangel verlässt, entsteht das Gefühl: Ich habe genug finanzielle Fülle, genug Stabilität und bin sicher, so wie ich bin.
Du kannst weiterhin an deinen Zielen arbeiten, doch mit deutlich mehr Klarheit. Weil du dich bereits als die Person siehst, die du sein möchtest, entstehen auch die Ideen dieser Person.
Das führt erstens dazu, dass du dein Ziel schneller erreichst. Zweitens definiert dich dieses Ziel nicht mehr.
Das ist also die Verbindung zwischen innerem Frieden und unternehmerischem Erfolg.
Ja. Zuerst findet man den inneren Frieden. Danach kann man den Rest viel leichter anziehen, weil man nicht mehr aus einem Mangel heraus sucht, sondern die innere Lücke bereits gefüllt hat.
Dadurch geht vieles deutlich schneller.
Nehmen wir gerne mal mein persönliches Beispiel. 2024 habe ich versucht, mit meiner Agentur stark zu wachsen. Damals war mir die Agentur noch wesentlich wichtiger als heute, weil ich sehr stark auf das Außen und auf das Geld geschaut habe.
Ich wollte 10.000 Euro Monatsumsatz erreichen. Dafür habe ich gekämpft, diszipliniert gearbeitet und alles als schwierig und anstrengend empfunden.
Irgendwann entdeckte ich diese inneren Zusammenhänge und dachte: Ich versuche gerade, 10.000 Euro im Monat zu verdienen, um mich wie ein erfolgreicher Unternehmer zu fühlen. Eigentlich könnte ich mich zuerst wie ein erfolgreicher Unternehmer fühlen und dadurch viel leichter zu diesen 10.000 Euro gelangen.
Dann begann ich, das aktiv zu praktizieren. Ich sagte mir: Ich komme jetzt zu mir zurück. Ich versuche nicht mehr, mich gedanklich in eine Zukunft hineinzuversetzen und dieses eine Ziel dort unbedingt erreichen zu wollen. Stattdessen schaue ich, wie ich inneren Frieden und innere Fülle bereits jetzt in mir erzeugen kann.
Aus diesem inneren Frieden und dieser Fülle entstand das Gefühl, dass ich bereits alles habe und alles bin, was ich sein möchte, auch ein erfolgreicher Unternehmer.
Schließlich hatte ich bereits ein Unternehmen und konnte digital von überall auf der Welt arbeiten. Irgendwann realisierte ich: Das ist für mich bereits Erfolg.
Mit diesem Gefühl ging ich beispielsweise völlig anders in Verkaufsgespräche. Ich führte auch meinen Vertriebler auf eine ganz andere Weise.
Innerhalb eines Monats, nachdem ich damit begonnen hatte, diese Haltung zu praktizieren, haben wir die 10.000 Euro geknackt. Zuvor lagen wir bei 2.000 Euro. Das war also eine Verfünffachung innerhalb eines Monats.
Danach habe ich allerdings auch realisiert, dass mir dieses Geld gar nicht so viel bedeutet. Ich hatte es zwar erreicht, aber erkannt, dass es lediglich etwas Äußeres war.
Der Weg dorthin ist für mich trotzdem ein sehr gutes Beispiel dafür, wie ein Leben von innen nach außen funktioniert und wie man dadurch seine Ziele deutlich schneller erreichen kann.
Du hast ein klares Ziel in deinem zwölfwöchigen Programm: Am Ende dieser zwölf Wochen möchtest du, dass dein Klient dich nicht mehr braucht.
Das ist in der Coaching-Branche eher ungewöhnlich, weil viele Anbieter mit Abo-Modellen oder weiterführenden Seminaren arbeiten. Warum machst du es anders? Was ist dir dabei wichtig?
Mir geht es nicht ausschließlich darum, Geld zu verdienen. Ich habe nach etwas gesucht, das für mich Bedeutung hat. Und für mich bedeutet es etwas, einen Menschen ganzheitlich aufzufangen und ihn anschließend wieder ganzheitlich in die Welt zurückzuschicken.
Ich finde es nicht weit genug aus Sicht des Kunden oder Klienten gedacht, wenn man ihn von sich abhängig macht und sagt: Du brauchst noch dieses Seminar, danach jenes und anschließend noch ein weiteres, um dein gewünschtes Ergebnis zu erreichen.
Natürlich können Menschen an Folgeseminaren teilnehmen. Darum geht es nicht.
Wenn jemand jedoch ein 1:1-Coaching bucht, sollte das Ziel nicht darin bestehen, dass er von mir abhängig wird, meine Angebote weiterhin im Außen sucht und sie deshalb kauft. Das Ziel sollte sein, dass er aus seinem Inneren heraus Fülle entwickelt und aus dieser Fülle heraus handelt oder auch kauft.
Genauso wie bei den Umsatzzielen glaube ich nicht, dass ein Business darunter leidet, wenn man es so aufbaut, dass Menschen vollständige Autonomie erreichen.
Außerdem habe ich eine Vision hinter dem Ganzen. Diese Vision lautet nicht, 100.000 Euro im Monat zu verdienen. Das kommt von allein.
Die Vision besteht darin, Menschen dabei zu helfen, zu erwachen und das menschliche Bewusstsein auf eine nächste Ebene zu heben.
Das erreicht man nicht, indem man 10.000 Menschen erschafft, die vom eigenen Business abhängig sind, selbst wenn das den Umsatz möglicherweise stärker erhöhen würde.
Diese Vision kann nur umgesetzt werden, wenn jeder einzelne Mensch vollständig in die Gegenwärtigkeit und in seinen inneren Frieden gelangt. Aus diesem vollkommenen inneren Frieden heraus beeinflusst er auch andere Menschen.
Ich kenne viele Menschen, doch diejenigen, die den größten positiven Effekt auf ihr Umfeld haben, sind immer jene, die am tiefsten mit ihrem eigenen Bewusstsein verbunden sind.
Wenn ich an solche Menschen denke, merke ich: Jedes Mal, wenn ich bei ihnen bin, empfinde ich einen tieferen Frieden, obwohl sie aktiv gar nichts tun. Auch andere Menschen in ihrem Umfeld erleben diesen Frieden, ohne dass bewusst etwas dafür getan werden muss.
Nur auf diese Weise kann ein Kaskadeneffekt entstehen und eine größere Vision erreicht werden: indem man Menschen vollständig in die Erkenntnis ihrer eigenen Vollkommenheit bringt. Dadurch wird der Effekt immer größer.
Ich glaube deshalb nicht, dass dieser Ansatz meinem Business schadet. Im Gegenteil.
Hast du für 2026 und 2027 ein konkretes Meilenstein-Projekt, das du angehen möchtest?
Ich werde in nächster Zeit sehr viel reisen, denn ich möchte mehr über Religionen erfahren und herausfinden, welche mystischen Geheimnisse sich dahinter verbergen. Darüber werde ich Dokumentationen drehen, die auf meinem YouTube-Kanal erscheinen sollen.
Zunächst fliege ich in die Türkei. Dort möchte ich versuchen, den Spuren des Sufismus zu folgen.
Kennst du Rumi? Vielleicht bist du schon einmal auf Zitate von ihm gestoßen. Er war ein islamischer Sufi. Sufis suchen sehr intensiv die innere Verbindung zu Gott. Für mich ist das vergleichbar mit der Suche nach der inneren Verbindung zu sich selbst und zum eigenen Bewusstsein.
Deshalb werde ich dorthin reisen und eine Kurzdokumentation dazu drehen. Das möchte ich mit verschiedenen Religionen wiederholen.
Mein Hauptziel für 2026 und vielleicht auch für 2027 besteht darin, neue Perspektiven kennenzulernen, mit spirituellen und religiösen Meistern zu sprechen und all diese Erfahrungen immer tiefer in meine eigenen Lehren einfließen zu lassen.
Gibt es einen Satz, von dem du dir gewünscht hättest, dass ihn dir jemand zu Beginn deines inneren Weges gesagt hätte?
Versuche nicht, jemand zu sein oder zu werden. Erkenne stattdessen, dass du bereits jetzt vollkommen bist – und dass du damit mehr bist, als du jemals sein wolltest.
Danke dir für diese Einblicke in deinen inneren Weg.
Danke dir für deine Zeit.
Mehr über Thomas Agelidakis und seine Arbeit erfährst du hier:
www.thomasagelidakis.de